Mehrsprachigkeit In Europa – Chancen in Österreich
In Europa ist Mehrsprachigkeit ein wichtiger Aspekt der Integration und Kommunikation. Englisch als Zweitsprache in Österreich zu forcieren, bringt zahlreiche Vorteile, insbesondere in einer vernetzten digitalen Welt. Oberösterreich sollte dabei eine Vorreiterrolle übernehmen und zur Vorzeigeregion werden.
Oberösterreich positioniert sich im internationalen Umfeld bereits verstärkt als „Upper Austria“. Dabei könnten auch Unternehmen, Ämter, Behörden und andere öffentliche Anlaufstellen gegenüber internationalen Fachkräften sozusagen als „Rezeption von Upper Austria“ dienen.
Zweisprachigkeit erhöht Attraktivität für internationale Fachkräfte
Oberösterreich steht vor der Herausforderung eines steigenden Fachkräftebedarfs. Gelindert werden kann dieser prognostizierte Engpass durch Zuwanderung von Fachkräften.[ Diese internationalen Fachkräfte brauchen wir auch, um global wettbewerbsfähig zu bleiben. Der FORWIT sieht darin eine Voraussetzung für erfolgreiche Forschung und Innovation: „Österreich muss eine Drehscheibe für globale Fachkräfte werden“. Eine der wichtigsten Maßnahmen dafür ist deren sprachliche Integration, insbesondere die Förderung der Zweisprachigkeit – also die Förderung der Deutsch-Kompetenz internationaler Fachkräfte und der Englisch-Kompetenz der Oberösterreicherinnen und Oberösterreicher.
Vorteile der Zweisprachigkeit
- Berufliche und gesellschaftliche Integration: Englisch erleichtert internationalen Fachkräften den Zugang zur Arbeitswelt. Deutsch ist jedoch für eine nachhaltige soziale Integration und ein tiefgehendes Verständnis der lokalen Kultur unerlässlich.
- Wirtschaftsmotor: Zweisprachigkeit in allen Lebensbereichen – beruflich, privat und sozial – stellt einen bedeutenden Vorteil für die Wirtschaft und Gesellschaft dar. Internationale Fachkräfte generieren pro Jahr knapp € 36 Mrd. Wertschöpfung, tragen 12,4 Prozent zum BIP bei und sichern (direkt, indirekte und induziert) rund 528.000 Arbeitsplätze. Beispiel aus dem Tourismussektor: Zweisprachige Beschilderungen und Informationsmaterialien, wie wir sie aus dem Tourismus kennen, könnten auf andere Sektoren übertragen werden, um Sprachbarrieren abzubauen.
Empfohlene Maßnahmen zur Förderung der Zweisprachigkeit
- Behörden, Ämter und Servicestellen: Als erste Anlaufstellen für internationale Fachkräfte bieten sie zweisprachige Interaktion, Informationen und Formulare in Deutsch und Englisch. Auf Wunsch werden Bescheide und Bestätigungen auch auf Englisch ausgestellt.
- Bildung, Betreuung internationaler und heimischer Kinder: Ein wichtiger Schritt zur Verankerung von Zweisprachigkeit in Oberösterreich ist die Förderung entlang der Bildungskette, unterstützt durch passende Betreuungsangebote für internationale Kinder zur Integration – und für österreichische Kinder als zusätzliche Bildungsoption. Da sich in vielen heimischen Unternehmen Englisch – neben Deutsch – schon als Alltagssprache etabliert hat, sollten wir alle Kinder möglichst gut auf diese Zweisprachigkeit vorbereiten. Deshalb sollte auch deutschsprachigen Kindern der Zugang zu englischsprachigen Kindergärten und Schulen erleichtert werden – etwa durch den Ausbau entsprechender Angebote, zusätzlicher englischsprachiger Schulklassen oder gezielter Sprachförderung. Großes Potenzial dafür bieten die beiden MINT-Regionen in Oberösterreich: Dort könnten bilinguale MINT-Workshops, internationale Camps und Pilotprojekte an Schulen, HTLs und FHs initiiert und weiterentwickelt werden, um innovative Bildungsformate zu fördern und die internationale Ausrichtung unseres Bundeslandes zu stärken.
- Öffentliche Anreizsysteme: Anreize zur Umsetzung von Maßnahmen zur Zweisprachigkeit in Unternehmen, Vereinen und Organisationen.
- Awards: Auszeichnungen für Unternehmen, Gemeinden, Vereine und Organisationen, die sich besonders für die Zweisprachigkeit einsetzen.
Langfristige Vorteile
- Digital Literacy – Englisch als Zugangssprache zur digitalen Welt: Englisch dominiert den digitalen Raum, von wissenschaftlichen Forschungsartikeln bis hin zu Programmiersprachen. Eine Bevölkerung mit ausgeprägten Englischkenntnissen als Zweitsprache kann direkt auf vernetzte Wissensressourcen zugreifen und ist nicht auf Übersetzungen oder sekundäre Informationsquellen angewiesen. Dies verbessert die digitale Kompetenz und befähigt Einzelpersonen, technologische Trends frühzeitig zu erkennen und zu nutzen.
- Sozialer Zusammenhalt: Zweisprachigkeit fördert das Zusammenleben internationaler Gesellschaften und das kulturelle Verständnis.
- Innovationskraft im internationalen Kontext: Zweisprachigkeit stärkt die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen.
- Attraktivität als Standort: Oberösterreich wird durch Zweisprachigkeit zu einem attraktiveren Standort für internationale Fachkräfte, Investoren und akademische Talente.
Soziale Verankerung
Die soziale Verankerung internationaler Fachkräfte ist entscheidend. Zweisprachigkeit erleichtert nicht nur den beruflichen Einstieg, sondern auch das soziale Miteinander in Netzwerken, Vereinen und bei Freizeitaktivitäten. Dies führt zu einer stärkeren emotionalen Bindung an die Region und verringert die Abwanderung von Fachkräften. Oberösterreich wird dadurch bekannt für seine Offenheit und die Unterstützung von internationalen Fachkräften bei der Integration.
Fazit
Oberösterreich kann zur Modellregion für wirtschaftliche Stärke, digitale Literacy/digitale Kompetenz und gelungene Integration werden. Dafür muss die Zweisprachigkeit Deutsch/Englisch konsequent gefördert werden. Das senkt die Sprachbarrieren, stärkt die regionale Identität, den sozialen Zusammenhalt und die Innovationskraft der Region. Die Förderung der Zweisprachigkeit schafft Rückenwind für drei zentrale Ziele: 1. Oberösterreich als attraktiven Standort für internationale Fachkräfte zu positionieren. 2. Den prognostizierten Fachkräfteengpass erfolgreich zu bewältigen. 3. Und Oberösterreich somit als Innovationsstandort zu stärken.